Auf Einladung von Herzog von Croy: Wildnis hautnah bei den Dülmener Wildpferden

Herzog von Croy erläutert mit großer Fachkenntnis und Leidenschaft die Lebensweise der Dülmener Wildpferde und gibt faszinierende Einblicke in Pflege, Hege und Geschichte dieser einzigartigen Herde. | Foto: Sigrun Böcker
Die Mitglieder des Lions Club Münster lauschen aufmerksam den spannenden und kenntnisreichen Ausführungen von Herzog von Croy. | Foto: Sigrun Böcker
Die Herde der Dülmener Wildpferde – frei lebend im Merfelder Bruch, geprägt von natürlicher Ordnung und beeindruckender Ursprünglichkeit. | Foto: Sigrun Böcker
Auf diesem Foto ist ein Fohlen zu sehen, das erst wenige Minuten alt ist – ein beeindruckender Moment, in dem neues Leben mitten in der Herde beginnt. | Foto: Sigrun Böcker

Begegnung mit einer ursprünglichen Welt

Am 13. April 2026 erlebten die Mitglieder des Lions Club Münster einen ganz besonderen Nachmittag im Merfelder Bruch: Auf Einladung von Herzog von Croy tauchten wir ein in die faszinierende Welt der Dülmener Wildpferde – ein Erlebnis, das uns nachhaltig beeindruckt hat.

Am Tor des weitläufigen Naturgebiets wurden wir persönlich vom Herzog empfangen und in das Herz der Wildbahn geführt. Schon nach wenigen Minuten standen wir mitten in der Herde. Einige Tiere näherten sich neugierig – ein eindrucksvoller Moment, der die besondere Nähe zur Natur unmittelbar spürbar machte.

Mit großer Fachkenntnis und spürbarer Leidenschaft erläuterte Herzog von Croy die Geschichte, Lebensweise und Besonderheiten der Wildpferde. Besonders beeindruckt hat uns sein profundes Wissen sowie die Hingabe, mit der er sich der Pflege und Hege dieser einzigartigen Tiere widmet. Er nahm sich viel Zeit für uns, beantwortete geduldig unsere zahlreichen Fragen und gewährte uns tiefe Einblicke in dieses außergewöhnliche Naturprojekt.

Ein Wunder der Natur – live erlebt

Mitten während der Ausführungen wurden wir Zeugen eines seltenen und bewegenden Ereignisses: der Geburt eines Fohlens. Kaum geboren, wurde es von der Mutter kurz versorgt – und stand wenig später bereits auf eigenen, noch unsicheren Beinen. Schnell wurde deutlich: In der Wildnis beginnt das Leben ohne Verzögerung. Schon nach kürzester Zeit muss das Fohlen mit der Herde Schritt halten.

Klare Ordnung in der Herde

Die Struktur der Herde folgt klaren Regeln: Geführt wird sie jeweils von einer erfahrenen Leitstute. Auffällig ist dabei die Ruhe unter den Stuten – ernsthafte Machtkämpfe bleiben aus. Anders bei den Hengsten, die ihre Rangordnung untereinander auskämpfen und um die Stuten konkurrieren.

Schutz durch gezielten Eingriff

Zum Erhalt der Population gehört der jährliche Wildpferdefang, bei dem junge Hengste aus der Herde genommen werden. Ziel ist es, Verletzungen durch oft massive Rangkämpfe der Hengste um rossige Stuten zu vermeiden. Dieses Vorgehen zeigt, wie sensibel das Gleichgewicht zwischen natürlicher Freiheit und notwendiger Steuerung gestaltet wird.

Gesundheit aus der Natur heraus

Die Dülmener Wildpferde beeindrucken durch ihre Robustheit: Sie fressen bis zu 16–18 Stunden täglich und kommen dabei auf rund 18.000 Kauschläge. Diese gleichmäßige und intensive Nahrungsaufnahme ist entscheidend für ihre Gesundheit.

Im Vergleich dazu benötigen Zuchtpferde bei einem Kilogramm Hafer lediglich etwa 800 Kauschläge. Sie nehmen dadurch schneller große Energiemengen auf, kauen jedoch deutlich weniger – was gesundheitliche Probleme wie Koliken oder im Extremfall sogar Magenrisse begünstigen kann. Die natürliche Futteraufnahme der Wildpferde hingegen zeigt eindrucksvoll, wie perfekt sich ihr Lebensrhythmus an ihre Bedürfnisse angepasst hat.

Ein gelungener Ausklang

Im Anschluss ließen wir den Abend im Dülmener Hof in angenehmer Atmosphäre ausklingen. Ein historischer Film von Christian Pieper über den Wildpferdefang aus dem Jahr 2003 rundete das Erlebnis ab und bot einen spannenden Rückblick.

Ein Tag, der nicht nur begeistert, sondern auch zeigt, wie wertvoll engagierte Pflege, verantwortungsvolles Handeln und der Schutz unserer heimischen Natur sind.